Terry Gilliam, legendärer Regisseur der genialen britischen Anarcho-Komikergruppe Monty Python, ist schon lange im seriösen Filmgeschäft angekommen. Mit Brazil schuf der Meister des Skurrilen ein frühes Meisterwerk kurz nach seinem ersten Achtungserfolg Timebandits. Der Engländer Gilliam liebt es seit diesen Arbeiten die Welt der Träume und des vermeintlich Realen in einer einzigartigen Art und Weise zu vermischen. Genauer gesagt, stellt er mit seinem Oeuvre die Frage nach der Überwindung der mitunter noch schrecklicheren Realität seiner Charaktere durch die Macht der Fantasie. Als weitere Meisterwerke sind in dieser Reihe Der König der Fischer, 12 Monkeys, Fear and Loathing in Las Vegas und Das Kabinett des Dr. Parnassus zu nennen. Tideland bildet in dieser Aufzählung keine Ausnahme und ist mit seiner verstörend-hypnotischen Bilderflut und der mit fremdartigen Wesen bevölkerten Welt am ehesten mit Guillermo del Toros` Pans Labyrinth vergleichbar. Zur Zeit arbeitet Terry Gilliam an der Verfilmung von Miguel de Cervantes` Don Quixotte mit Johnny Depp und Robert Duvall in den Hauptrollen.
Der Film, der auf dem Festival in Toronto 2005 Premiere feierte, erzählt die Geschichte der minderjährigen Jeliza-Rose (Jodell Ferland, Smallville, Twillight, 2007 nominiert mit dem Genie-Award für Tideland) und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Mitch Cullin. Nach dem Drogentod ihrer Mutter zieht sie mit ihrem Vater Noah (Jeff Bridges, Die fabelhaften Baker Boys, Big Lebowski, Männer, die auf Ziegen starren) auf die Farm ihrer verstorbenen Großmutter. Der heroinsüchtige Noah stirbt kurz nach der Ankunft ebenfalls an einer Überdosis. Die verwesende Leiche des Vaters, die von Jeliza-Rose wie ein lebender Mensch behandelt wird, dient dem Mädchen als Sprungbrett in die Tiefe ihrer Fantasie. Auf einem Erkundungszug durch die triste Landschaft lernt sie die Einsiedlerin Dell (Janet McDeer) und deren kindlich-verträumten Bruder Dickens (Brendan Fletcher) kennen. Dell war einst in Noah verliebt, wurde jedoch von ihm nach einer kurzen Affäre verlassen. Gemeinsam mit Dickens beschließt Jeliza-Rose ein imaginäres Monsterwesen, den sagenhaften Killerhai, der in den weiten Kornfeldern sein Unwesen treibt, zu bekämpfen. Die Reise der Seelenverwandten findet in der Sprengung eines Zuges ihren Höhepunkt.
Bei den Genie Awards 2007 gab es sechs Nominierungen, darunter für Jodelle Ferland in der Kategorie Beste Hauptdarstellerin, für das Produktionsdesign, für die Kameraarbeit, die Kostüme und den Schnitt. Die Produktionskosten betrugen 12 Millionen US-Dollar. In Deutschland wurde Tideland 2006 in München uraufgeführt.
Tideland ist in Deutschland als DVD, Bluray und sogar als HD-DVD erhältlich. Die DVD-Variante gibt´s online z.B. bei Amazon oder digitalvd.de als Single-DVD und als Bonus-DVD Version, im lokalen Fachhandel ist die Auswahl meist begrenzter. Die zusätzliche Disk bietet (leider unkommentierte) Einblicke in die Dreharbeiten sowie einige Interviews.